auch wenn es von aussen ruhig aussieht…

Letzten Monat in meiner Praxis:
Bei einem Hundeteam kam es nicht so schnell voran wie geplant. Haut und Ohren beruhigten sich einfach nicht richtig, obwohl wir breit aufgestellt gearbeitet und immer wieder angepasst haben.
Dann kam die Nachricht:
„Wir geben jetzt Kortison.“
Ich weiss, wie erleichternd das klingt und wie viele danach unsicher werden
Und ja – es wurde ruhiger.
Kortison hilft, wenn Entzündungen den Körper belasten. Es verschafft Luft und nimmt Druck aus dem System. Gleichzeitig fordert es den Körper. Und je länger du es gibst, desto wichtiger wird, dass du den Hund gezielt begleitest. Ich verstehe den Entscheid. Das Tier hatte Beschwerden. Aber ganz so einfach ist es trotzdem nicht.
Viele Halter erleben es gleich: Erst kommt Erleichterung – dann die Fragen.
Warum hilft es so schnell? Und was macht es mit dem Rest des Körpers?
Viele sind unsicher, ob sie Kortison überhaupt einsetzen sollen.
Was macht Kortison:
Kortison stoppt Stoffe, die Entzündungen auslösen. Das hilft, wenn der Körper stark reagiert und Ruhe braucht. Gleichzeitig dämpft es das Immunsystem. So entstehen weniger Abwehrreaktionen.
Mit der Dauer der Gabe passt sich der Körper an.
Hormone verschieben sich. Zucker- und Fettstoffwechsel verändern sich. Muskulatur baut schneller ab, weil Proteine anders verarbeitet werden. Die Leber arbeitet intensiver. Auch die Darmflora verändert sich, und Stresshormone (Kortisol) beeinflussen das Verhalten.
Kortison beim Hund: Was du wissen musst
Je nach Menge des Kortisons, das täglich verabreicht wird, verkürzt sich die Reaktionszeit:
• dein Hund trinkt mehr und uriniert häufiger, teils auch unkontrolliert
• Hunger steigt anfangs, später wird Gewicht halten schwierig
• Muskulatur baut ab, Bewegungen werden schwerer und unkoordinierter
• Haut wird dünner, Pickel entstehen, Fell wirkt stumpfer
• Wunden verheilen langsamer oder gar nicht mehr
• Infekte treten leichter auf
• Leberwerte können sich verändern
• Hund wirkt unruhiger oder gereizter
• Folgeprobleme wie Durchfälle, Krallenentzündungen oder Nierenbelastungen sind möglich
Einfache Anpassungen erleichtern die Dauertherapie:
• Fütterung: weniger Energie, ausreichend gut verwertbares Protein
• Darm unterstützen: Probiotika oder Huminsäure
• Medikamentengaben mit Joghurt oder Leinsamen verabreichen
• Muskelaufbau planen: gezielte, regelmässige Bewegung
• Ruhe, Routine und Entlastung im Alltag
Unterstützung aus der Naturheilkunde:
Die Naturheilkunde setzt dort an, wo Kortison eingreift:
Bei Entzündung, Stoffwechsel und Regeneration.
Sie zielt nicht darauf ab, das Medikament zu ersetzen, sondern den Körper zu stabilisieren, während er unter Druck steht.
• Spagyrik kann Leber, Nieren und Haut entlasten und den Stoffwechsel anregen.
• Homöopathische Arzneien unterstützen Regulation und Reaktionsfähigkeit des Organismus.
• Schüsslersalze helfen, Mineralstoffhaushalt und Zellfunktion auszugleichen.
• Phytotherapie kann Verdauung, Leber und Immunsystem gezielt stärken.
Welches am besten eingesetzt wird, hängt vom Tier, der Vorgeschichte und dem betreuenden Team ab.
Darum gehört jede Begleitung individuell abgestimmt.
So lässt sich das ursprüngliche Geschehen begleiten und die Nebenwirkungen der Kortisontherapie abfedern.
Das Ziel ist, dass der Körper wieder in seine eigene Balance findet ohne zusätzlichen Stress.
Kortison ist wirksam. Und es braucht Aufmerksamkeit.
Du gibst es nicht einfach über Monate, du begleitest es.
So schützt du den Körper und hältst die Belastung tief.
Herzlich
Beat Hug, Tierheilpraktiker und Nothelfercoach für Hunde
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